Vertrautes und Fremdes in Musik und Psychoanalyse 

2. -4. November 2018 in Zürich

10. Symposion der Deutschen Gesellschaft
für Psychoanalyse und Musik (DGPM)

in Kooperation mit der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), 
dem Freud-Institut Zürich (FIZ)
und 
der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV)

Die Anmeldung für unser Symposion ist ab sofort möglich

 

Unter dem Stichwort "Musik" sind bis zum 15.September Kontingente in folgenden Hotels reserviert: 

- Hotel St. Josef
Hirschengraben 64-68
8001 Zürich
 - +41(0)44/250 57 57
Zimmer mit Dusche/WC à CHF 172.50 (Einzelnutzung) CHF 225.00 (Doppelnutzung) pro Zimmer und Nacht.
Superior Zimmer ggf. mit Sofabett  mit Dusche/WC à CHF 182.50 (Einzelnutzung) CHF 235.00 (Doppelnutzung) pro Zimmer und Nacht.Die Zimmerpreise beinhalten ein reichhaltiges Frühstücksbuffet, kostenfreies W-Lan und die City Taxe.
  www.st-josef.ch 

- Hotel Hottingen
Hottingerstraße 31 / Cäcilienstraße 10 - 8032 Zürich- +41 44 256 19 19
CHF 187.00 inkl.Frühstück, zuzügl.City Tax pro Person (CHF2.50) und Nacht. 
  www.hotelhottingen.ch 

- Sorell Hotel Seefeld
Seefeldstraße 63 - 8008 Zürich - +41 44 387 41 41
Standard Einzelzimmer CHF 165.00
Standard Doppelzimmer CHF 205.00
Inkl. Frühstück, Wlan, freie Benutzung des Fitnessraums. Excl. City Tax (CHf 2.50) pro Person und Nacht. 
  www.sorellhotels.com

 

Beschreibung der Workshops

Workshop1
- In diesem Workshop sind leider keine Plätze mehr frei-

Mut zur Improvisation im eigenen Musizieren - es ist nicht zu spät!
Dr. Wolfgang Baumgärtner

Der Workshop richtet sich an alle aktiv Musizierenden mit Stimme oder Instrumenten, die sich mit Noten oder auch auswendig gelernten Stücken wohl fühlen, zugleich aber Sehnsucht danach verspüren, mit der Musik spontan spielen zu können, zu improvisieren. In den 90 Minuten geht es um einen konkreten praktischen Einstieg in Improvisation und um Hilfen, einen in dieser Hinsicht begonnen, aber  vielleicht fest gefahrenen Weg weiter zu beschreiten. Dabei entdecken wir vordergründige oder vermeintliche Hindernisse und schwierigere, z.T. verstellte Ursachen, die durchaus tiefenpsychologische Hintergründe haben können; insofern führt Improvisation auch in Selbsterfahrung.  
Noten geben als erlernte Formen Sicherheit, sind „vertraut“ --  so etwas wie „Heimat“ beim Musizieren. Oft verstellen aber auch hier wie in anderen Bereichen des Lebens, feste Strukturen und Regeln die Möglichkeiten aufzubrechen, zu begegnen, Neues kennen zu lernen - im anderen und in einem selbst. Wir können aber auch anderes als Noten in uns als sicheren Boden finden und dann erkennt Improvisieren Fremdheit als Chance und stellt neue Beziehungen her - in der Musik wie im sonstigen Leben … 
Ganz gleich, wie sicher Sie auf ihrem Instrument oder mit Ihrer Stimme musizieren, professionell oder laienhaft - zum Start in diesen Workshop brauchen Sie nur etwas Mut, um sich auf spielerische Entdeckungen einzulassen. Dann lässt sich Freude am eigenen Improvisieren entdecken, wie Sie Sich das bis dahin noch nicht zugetraut haben. Am Ende gehen Sie mit deutlich mehr Mut und konkreten Ideen nach Hause, wie Sie mit Begeisterung daran weiter arbeiten können. 
Bitte die eigenen Instrumente mitbringen, ein Klavier ist vorhanden.
Teilnehmerbegrenzung: 15 Personen

Workshop2
Wandern durch das unheimliche Tal - die gruppenanalytisch geleitete Reflexion einer ästhetischen Wahrnehmung
Cosmin Chita

Die Gruppenanalyse nach Foulkes erzeugt ihre mutative Kraft weniger aus der Deutung heraus, als aus dem sogenannten „ego training in action“. Der Gruppenleiter unterstützt die freie Kommunikation in der Gruppe und achtet auf das Auftauchen vom unbewussten Material. Nicht nur Träume, sondern auch ästhetische Wahrnehmungen können als Anstoss für die gemeinsame Containing und Durcharbeitung dienen. In einer Gruppe von bis 12 Teilnehmer werden diese Prozesse erforscht. Am Anfang wird ein kurzes musikalisches Stück vorgespielt, als Anregung für eigene Assoziationen. Der Fokus liegt auf die Erforschung der ästhetischen Dimension des sozialen Unbewussten in der Gruppe und durch die Gruppe. Für Teilnehmer ohne gruppenanalytische Vorerfahrung kann der Workshop als spielerischer Einstieg in die Methode dienen. 
Teilnehmerbegrenzung: 12 Personen

Workshop3
Fremdes lockt - Fremdes schockt
Verwandlung und Fragmentierung von Klangsprache in dadaistischer Tradition
Annegret Körber

Existiert Fremdes wirklich und unabhängig als Phänomen und invariante Eigenschaft von etwas oder ist es nicht vielmehr eine intra- und interaktiv erfahrbare Relation?In diesem Sinne gibt es nicht das Fremde an sich, sondern immer nur mein oder unser Fremdes. Der Umgang damit ist verschieden motiviert: Fremdes als Teil einer übergreifenden Einheit, als Kontrasterfahrung, als Komplementarität – immer jedoch als Projektionsfläche.
Zürich gilt als Hauptstadt des Dadaismus und brachte mit diesem die wohl befremdlichste künstlerische Bewegung nach dem 1. Weltkrieg hervor. Dabei gelang es den Protagonist.innen, die Kunst und Kunstwahrnehmung des 20. Jahrhunderts umfassend zu verändern. Die Schaffung absurder und provokanter musikalischer, literarischer, bildnerischer Werke und Objekte geschah in Auseinandersetzung mit dem universellen Fremden und ist als originäre Äußerung sowohl zu den starken Reformbewegungen als auch zum destruktiven Zeitgeist zu verstehen.
Im Workshop hören wir Aufnahmen aus dem Cabaret Voltaire (der Wiege des Dadaismus in Zürich) und entwerfen eigene Sprach-Klang-Gebilde. Spielerische Abstraktionen und deren klangliche Interpretationen werden selbst entwickelt Dabei experimentieren wir mit Lautgedichten, wobei Wortfragmente ungewohnte sinnlose Kombinationen ergeben, die jedoch gerade deshalb neuartige Informationen transportieren können. Im Prozess der Verwandlung des Fremden in Vertrautes oszillieren wir zwischen Performance und Reflexion.

Workshop4
- In diesem Workshop sind leider keine Plätze mehr frei- 

Klinischer Workshop - musikanaloge Prozesse im therapeutischen Gespräch
Dr. Sebastian Leikert

Paradoxerweise ist das Vertrauteste gleichzeitig das Fremdeste in der psychoanalytischen Behandlungstechnik: Während unser intuitives Praxiswissen und unsere therapeutische Sensibilität viel mit Taktgefühl, Resonanz und Timing, d.h. mit musikanalogen Vorgängen, zu tun haben, sind unsere Konzepte zur Behandlungstechnik oft auf sprachliche Prozesse – Sinnverstehen, Abwehrprozesse etc. – ausgerichtet. Dabei sind die präverbal-sinnlichen Strukturen und Vorgänge ebenso wichtig, wie die sprachlichen Prozesse auf die unsere Behandlungstechnik bisher ausgerichtet ist. Im klinischen Workshop werden wir, ausgehend von Beschreibungen, die musikanalogen Prozessvariablen des intuitiven Praxiswissens nachzeichnen und daraus behandlungstechnische Prinzipien ableiten. Ausgangspunkt kann die Diskussion über mitgebrachte Vignetten sein, möglich ist auch, vorab einen Fallbericht mit mir abzustimmen.
Teilnehmerbegrenzung: 15 Personen

Workshop5
Musikalische Schattierungen im Gespräch
Christopher Mahlstedt

In der Begegnung vollzieht sich ein Prozess, in dem durchaus Musik und Psychoanalyse in Austausch miteinander geraten; das ist in aller Regel fremd. Der Workshop soll zunächst anhand eines audiographierten Paargesprächs einen Einblick in gegenwärtige Forschungsarbeiten zu Prosodie und Rhythmus vermitteln. Wenn genügend Zeit bleibt, werde ich den Teilnehmern und Teilnehmerinnen gemeinsame Übungen vorschlagen, in denen die relationalen Implikationen von lexikalisch-semantischen und paraverbalen Aspekten der Kommunikation weiter exploriert werden können. 

Workshop6
Heimat - so nah und doch so fremd?
Dr. Amei Schneider

Das Motto des diesjährigen Symposions ist durch die aktuelle Flüchtlingsthematik präsenter denn je. Für Fremde und Einheimische stellt sich die Frage der eigenen Identität und neuer und alter Heimat - "Gefühle". Der Verlust der Heimat bedarf einer intensiven Bearbeitung, um einen Neuanfang gelingen zu lassen. Um andere Kulturen bei uns zu integrieren, bedarf es der Bewusstwerdung der eigenen Vorstellung von Heimat, um den Anderen daran teilnehmen zu lassen, mit allen Sinnen: Heimat als nahe Welt, die verständlich und durchschaubar ist, als Rahmen, in dem sich Verhaltenserwartungen stabilisieren, in dem sinnvolles Handeln möglich ist. 

Musikalische Begrüßung: Robert Schumann: "Aus fremden Ländern" op.15, Nr.1 für Violoncello und Klavier
Ausführende: Amei Schneider, Violoncello. NN, Klavier. 

Um sich dieser Thematik zu stellen, wird ein bekanntes Volkslied aus dem Halleschen Liederbuch von August Disselhorst (1829-1903) gewählt: 
"Nun ade, du mein Heimatland"

Die praktische Umsetzung erfolgt durch SINGEN, SPRECHEN, Musizieren - NOTIERT und IMPROVISIERT - verbunden mit GRAPHISCH notierten Gestaltungsabläufen. 
Hinzu kommen zwei weitere, allen Teilnehmern bekannte Lieder, die in den Verarbeitungsprozess einfließen und zuletzt als Quodlibet unabhängig voneinander erklingen. Die differenzierte Erarbeitung auf unterschiedlichen emotionalen Ebenen führt zu phantasievollen Erlebnissen und psychisch-ästhetischen Horizonterweiterungen der Ausgangsthematik. Das bedeutet, im gemeinsamen Musizieren unterschiedliche Erlebnisqualitäten zu gestalten: Innovation und Kreativität im interaktiven Prozess. 
Teilnehmer: Neben Sing- und Sprechstimme sind Instrumente erwünscht, aber keine Bedingung. 
Teilnehmerbegrenzung: ca. 15 Personen

Workshop7
Steve Reichs musikalischer Traum - eine gruppenanalytische Interpretation
Martin Weimer

Ich stelle 3 Gesichtspunkte zu einer gruppenanalytischen Interpretation von Steve Reichs »Different trains« (1988) vor, um sie mit den TeilnehmerInnen des workshops zu diskutieren. Diese 3 Aspekte werden zusammengehalten durch den Bezug zum sozialen Trauma der Shoah in Reichs Werk.

  • Reich hat das Werk nach denselben Prinzipien komponiert, die Freud zuerst als »Werkmeister der Traumarbeit« beschrieben hat.
  • Reich behandelt die Sprachfragmente der SprecherInnen in »Different trains« als »heiligen Text« (so Freud über den Traumtext), und zwar in der spezifischen kulturellen Tradition des Judentums der »teamim« (Kantillationen).
  • Indem er die Prosodien seiner SprecherInnen zur Grundlage des gesamten musikalischen Materials von »Different trains« macht, komponiert Reich einen »acoustic mirror« (Silverman). Andererseits lässt sich der Schluss des Werks performativ als Aufforderung an die Hörer*innen interpretieren, sich im Sinne der »appellation« (Althusser) mit den Tätern der Shoah zu identifizieren.

Gruppenanalytisch sehen wir das Individuum stets als »Knotenpunkt in einem Netzwerk interpersoneller Beziehungen« (Foulkes) an. »Different trains« ist ein musikalischer Ausdruck dessen; das Werk beruht auf Reichs Beschäftigung mit seiner jüdischen Tradition angesichts der Shoah und verführt seine HörerInnen zur zeitweisen Identifikation mit den Opfer-, aber auch mit den Täter- und schließlich mit den Zeugenrollen.
Methodisch gehe ich in mehreren Dreischritten vor:

  • musikalisches Beispiel
  • kurzer Interpretationsimpuls
  • Gruppengespräch.  

Mit der Form des Workshops möchte ich die spezifischen Möglichkeiten der Gruppe beanspruchen, mit Hilfe von Reichs Werk sonst kaum aushaltbare Gefühle miteinander zu teilen.

Workshop8
Wenn die Stimme ins Fremde "kippt" - Jodeln
Simone Felber

Singe, Jodle, Juutze!

Wie geht eigentlich Jodeln? Woher kommt der Jodel? Welche verschiedenen Arten des Jodelns gibt es? In diesem Atelier soll das Jodeln von ganz verschiedenen Seiten beleuchtet werden. Gemeinsam Naturjodel aus der ganzen Schweiz entdeckt und einstudiert. Mitsingen können alle, die eine Begeisterung für das Singen und die Musik mitbringen, ob mit viel Erfahrung oder gar keiner, egal ob Chorsängerin, Jodler, Chorsänger, Jodlerin, jung oder alt.